Das Koordinatensystem:

   
Wenn man als Amateurastronom einmal die Teilkreise an seinem Fernrohr benutzen möchte um ein Himmelsobjekt aufzufinden, dass entweder sehr schlecht oder garnicht mit bloßem Auge zu sehen ist, so kann man sich bei manchen Textbeschreibungen oder skitzenartigen Abbildungen schnell die Haare raufen.
 
Ich will hier einmal versuchen es möglichst anwenderfreundlich und kurz zu erklären.
 
Erstmal sollte das Gerät immer mit seinem Stativ in waage stehend aufgebaut sein. Dazu ist meistens eine Dosenlibelle (Wasserwage) am Stativsockel vorhanden.
 
Es gibt nun zwei unterschiedliche Koordinatensysteme:
- das azimutale System und
- das equatoriale System.
 
 
Das Azimutal-System:
 
      
Im Grunde genommen
ist jedes Videostativ
wie ein azimutales
System.
Beispielbild eines Fernrohres
mit azimutaler Montierung.
 
Das azimutale System ist zwar etwas preisgünstiger in der Anschaffung, hat aber auch deutliche Nachteile.
Im wesentlichen gelten die Koordinaten hier nur für einen einzigen vorher fest gelegten Standort und für eine bestimmte Uhrzeit.
Es gibt nur die Länge (Höhenwinkel h) und die Breite (Azimutalwinkel) in Grad für einen bestimmten Zeitpunkt.
 
Häufig kann man ein Planetariums-Programm so einstellen, dass man die beiden Gradzahlen zur gewünschten Uhrzeit für ein Himmelsobjekt erhält.
Ein solches Planetariums-Programm muss jedoch auch wiederum unbedingt auf die Koordinaten des jeweiligen Standortes auf der Erde eingestellt sein.
(Also Längen- und Breitengrad des Beobachtungsstandortes auf der Erde.)
Es kann dann die Systemzeit vom PC oder Tablet-PC als Relation für Uhrzeit und Datum des Himmelsobjektes verwenden.
Zum übertragen und zum peilen des Azimutalwinkels auf das Fernrohr ist ein Kompaß auch recht hilfreich.
 
Den Nachteil dieser Art der Himmelsobjektfindung erkennt man schnell, wenn man das Objekt zum eingestellten Zeitpunkt doch nicht so schnell und einfach findet. - Schon haben die eben noch abgelesenen Koordinaten ihre Gültigkeit wieder verlohren.
Oder man will einem Freund am anderen Tag von einem Objekt erzählen, dieser Freund lebt aber auf einem ganz anderen Erd-Standort.
 
PS:
In neuerer Zeit wird das Azimutal-System in professionellen Sternwarten mit Spiegeln von 6 Metern Durchmesser und mehr wieder häufig verwendet, da das enorme Gewicht solcher Apparaturen so besser gelagert werden kann. In solchen Einrichtungen werden die Teilkreise sowieso meist Rechner gestützt angesteuert und es kann genau so gut über beide Achsen gleichzeitig nachgesteuert werden.
   
  
Das Equatorial-System:
 
 
Eine equatoriale Montierung bietet dem Amateurastronomen die gleichen Möglichkeiten wie sie die "großen Profis" haben.
Wenn man sein Fernrohr richtig Eingenordet hat, kann man dem Lauf der Sterne über nur eine Achse (der Rektaszensionsachse) folgen.
Dadurch werden z. B. Langzeitbelichtungen wesentlich vereinfacht.
Auch können Koordinaten-Daten problemlos an andere Personen / Stationen weiter gegeben werden. (Ra. = Rektaszension α / Dec. = Deklination δ).
  
Vom Aufbau bis zum Beobachtungsbeginn:
Wie zu Beginn schon gesagt, muss das Fernrohr wieder erstmal in waage stehend aufgebaut sein (Dosenlibelle).
Hiernach wird das Fernrohr folgender maßen "eingenordet":
Eine EQ-Montierung hat dazu eine weitere Achse, -die "Polhöhenachse" oder auch "Polhöhenwiege". Sie muss möglichst genau auf den Himmels-Nordpol ausgerichtet werden. Will man keine langen Belichtungen machen sondern nur mal so schauen, so reicht es meistens das Fernrohr auf den Polarstern auszurichten. Aber auch der Polarstern ist noch nicht ganz der wahre Himmelsnordpol.
 
              
Die Polhöhenachse
Wie hier zu sehen ist sie auf
52,5 Grad nördlicher Breite eingestellt.
Das Einnorden eines Fernrohres.
(schematische Darstellung)
Die Pohlhöhenachse muss möglichst
genau auf den Himmelspol weisen.
  
Will man es noch etwas genauer machen, so empfehlt sich die "Kochab-Methode":
 
   
  
Die Teilkreise:
Deklination sowie Rektaszension
( -in Verbindung mit der Sternenzeit)
Schaut man sich einmal astronomische Tabellen von Sternen, Galaxien oder auch planetarischen Nebeln an, so fällt einem schnell auf, das es hier immer zwei Zahlenwerte / Winkelwerte zur Objektbestimmung gibt obwohl sich doch die Gestirne mit der Zeit immer weiter bewegen.
Diese Zahlen- bzw. Winkelwerte sind die Deklination δ für die Höhenposition und die Rektaszension α für die Breitenposition eines Himmelsobjektes.
Was stillschweigen vorausgesetzt wird ist die Sternenzeit. Sie geht etwas schneller als unsere gewohnte Uhrzeit, die wir alltäglich nach der Sonne berechnen.
Ein Sternentag hat immer nur 23 Stunden, 56 Minuten und 4,091 Sekunden. Daraus ergibt sich über das ganze Jahr eine immer größer werdende Differenz.
Die Sternenzeit beginnt mit 0:00:00 Uhr am Frühlingspunkt (Widder-Punkt) wenn die Ekliptik den Himmelsäquator kreuzt.

Um die Sternenzeit nicht mühselig immer wieder selbst berechnen zu müssen, gibt es eine kleine Anzahl von Programmen, die einem dies abnehmen.
Ich persönlich bin von "Sternzeituhr v2.1" sehr angetan.
Link: https://www.sternwartedahlewitz.de/sternzeit.htm

         
Die Deklination δ ist der
Höhenwinkel in dezimalen
Gradzahlen zum gewünschten
Objekt.
Die Rektaszension α ist der Breitenwinkel in Bogenstunden, Minuten und Sekunden.
In Verbindung mit der Sternenzeit ergibt sich so eine stetig wandernde Differenz,
die dem Lauf der Sterne entspricht.
   
Bei älteren EQ-Montierungen ist der Rektaszensions-Teilkreis noch mit der Einteilung des Stundenwinkels ausgestattet.
  
Also in der Praxis:
Wenn man ein Himmelsobjekt mit Rektaszensions- und Deklinations- Daten beobachten möchte, dann dreht man mit den Fingern den Ra.-Ring auf die entsprechende Rektaszension, die einem vom Datenblatt des Himmelsobjektes vorgegeben wird und arretiert diese Einstellung mittels einer kleinen Schraube. Dann schwenkt man das Fernrohr so, dass der andere Zeiger auf dem Rektaszensions-Ring auf den entsprechenden Stundenwinkel zeigt.
Dieser ist mittels der Software “Sternenzeituhr 2.1” leicht zu ermitteln.

Wenn nun die Deklination auch auf die richtige Höhe eingestellt wurde, sollte man (so halbwegs) in die richtige Himmelsposition blicken.
Es kommt auch immer darauf an, wie genau man vorher alles aufgebaut hat.  :-)